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Corporate Architecture – Identität durch Architektur

Die Anforderungen an eine Unternehmensmarke steigen beträchtlich. Denn für den Erfolg im Markt – gerade im B-2-B-Sektor – sind u. a. Reputation und die Differenzierung zum Wettbewerb wichtige Faktoren. Daraus resultiert, dass sich immer mehr Unternehmen mit der Neupositionierung ihres Hauses auseinandersetzen. Corporate Architecture kann dabei eine wichtige Rolle einnehmen und zu einer positiven Markenwahrnehmung beitragen.

Ein Gespräch mit dem Architekten und Industriedesigner Dr. Jons Messedat.

CBD.Corporate: Das Thema Corporate Architecture scheint in Deutschland gerade an Bedeutung zu gewinnen. Aktuelles Beispiel ist der Neubau des Springer Medien Campus in Berlin. Sehen Sie das auch so?

Jons Messedat: Nach meiner Erfahrung hat sich das Thema erst in den letzten Jahren in Deutschland als neues Leistungsbild herauskristallisiert. Einer der Gründe dafür ist der Wechsel von der Aufbaugeneration der deutschen Wirtschaftswunderzeit zur heutigen Erbengeneration; ganz Ãhnlich wie bei dem von Ihnen genannten Axel Springer Campus in Berlin. Genau zu diesem Zeitpunkt wird oft über das bisher Erreichte und die zukünftige Ausrichtung nachgedacht. Der Boom an spektakulären Corporate Museen in den vergangenen Jahren ist ein Beleg dafür.

Ein weiterer Grund für die zunehmende Bedeutung von Corporate Architecture ist – auch wenn man zunächst das Gegenteil vermutet – die rasant wachsende Präsenz von Unternehmen in den virtuellen Räumen des Internets. In meiner Arbeit wird es immer wichtiger, eine real und physisch erlebbare Adresse als authentische Heimat für Unternehmen und Marken zu schaffen. Das kann ein architektonisch herausragendes Headquarter, ein avantgardistischer Brand Space oder auch ein offenes Kommunikationszentrum sein.

CBD.Corporate: Mit welchen Fragen kommen Unternehmen, die einen Neubau planen, auf Sie zu und wie arbeiten Sie mit den Kommunikationsverantwortlichen zusammen?

Jons Messedat: Das kommt immer auf die Größe und Struktur des jeweiligen Unternehmens als Auftraggeber an. Bei familiengeführten und mittelständischen Unternehmen ist oft der Inhaber oder Geschäftsführer mein direkter Ansprechpartner. Das Thema Corporate Architecture ist dort zu Beginn des Planungsprozesses meist noch Chefsache und es gibt grobe Vorstellungen, aber wenige Vorgaben. Anfangs sind es sehr offene Gespräche und ich muss genau zuhören, um daraus Fragestellungen zu konkretisieren. Aber das ist der beste Einstieg in die Entwicklung eines tragfähigen Corporate-Architecture-Konzeptes, von der Ideenfindung über den Planungsprozess bis zur Realisierung.

Bei der Zusammenarbeit mit den Kommunikationsverantwortlichen in größeren Unternehmen und Konzernen ist es oft eine Herausforderung, aus vorgegebenen Corporate-Design- und Kommunikationsstandards gestalterische und inhaltliche Eckpunkte herauszufiltern, die für die Architektur relevant sind. Um einen kontinuierlichen Austausch zu garantieren, organisiere ich regelmäßige Gestaltungsrunden mit den Kommunikations- und Marketingverantwortlichen. Architektur ist ja auch immer ein Stück gebaute Kommunikation, und daher ist es ein gemeinsames Anliegen, sowohl die eigenen Mitarbeiter und externe Kunden als auch die kommunalen Gremien und Anwohner in den Gestaltungsprozess miteinzubeziehen. Das Ziel der Zusammenarbeit mit den Kommunikationsverantwortlichen ist es, für einen geplanten Neubau von Anfang an Sympathie und Transparenz zu schaffen.

CBD.Corporate: Mit welchen Projekten beschäftigen Sie sich aktuell?

Jons Messedat: In meiner beruflichen Praxis als Architekt, Designer und Buchautor laufen immer mehrere Bereiche parallel: die Arbeit an konkreten Corporate-Architecture-Projekten, diverse Publikationen sowie die Lehr- und Vortragstätigkeit. Derzeit arbeite ich an einem neuen Besucher- und Kommunikationszentrum für ein deutsches Weingut. Besonders spannend an dieser Aufgabe ist, dass der Bauherr für neue Präsentationsformen aufgeschlossen ist, die sich deutlich von bisherigen, eher rustikalen Touristenattraktionen in der Region unterscheiden. Die historischen Bauten in einer landschaftlich reizvollen Lage werden durch eine reduzierte, zeitlose Architektur erweitert und mit medialen Elementen ergänzt.

Bis Ende des Jahres muss das Jahrbuch ‘Retail Architecture International’ fertig werden, das ich mit der avedition, Verlag für Architektur und Design in Stuttgart, herausgebe. In den kommenden Wochen stehen noch einige Vorträge an, wie beispielsweise bei den Raumwelten 2015, der Plattform für Szenografie, Architektur und Medien, zum Thema Retail Architekture und auf der Exponatec Cologne 2015, wo ich zum Thema Firmenmuseen – Gebaute Identität sprechen werde. Und dann habe ich noch zwei Söhne, für die ich gerne den Chauffeur zum Hockey- und Saxofonunterricht etc. mache.


Dr. Jons Messedat ist Architekt, Industriedesigner und Autor. Im Büo von Sir Norman Foster in London war er für die Ausstellungsgestaltung im heutigen Red Dot Design Museum verantwortlich, und für den Umbau des Reichstagsgebäudes entwickelte er das Interior Design.
Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die gebaute Identität von Unternehmen und Marken; von der Gestaltung über das Management bis zur Realisierung. Er ist Jurymitglied von internationalen Architekturwettbewerben und lehrt an Hochschulen in Deutschland und in der Schweiz.

www.messedat.de

Jons Messedat

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Bildnachweis:
Springer Medien Campus, Berlin
© OMA 2014

Logo-Foto:© Indina Beuche

B.Braun Melsungen AG Europagebäude
Michael Wilford and Partners 2001. Foto: Roland Halbe, Stuttgart
Quelle: Messedat, Jons: Corporate Architecture; avedition 2005

Markthal Rotterdam
MVRDV, Rotterdam 2014.
Foto: Ossip van Duivenbode.
Quelle: Messedat, Jons: Retail Architecture S-XXL; avedition 2014

Dornier Museum Friedrichshafen
Allmann Sattler Wappner Architekten GmbH 2009
Foto: Dornier Museum Friedrichshafen
Quelle: Messedat, Jons: Corporate Museums; avedition 2013