kommunikation

Wir lieben Radio!

Bernhard Bahners, Radio.de, im Interview über sein Medium

Beinahe 80 Prozent der Deutschen schalten täglich das Radio ein. Unterwegs im Auto oder Zuhause: das Medium begleitet uns – oft nebenher – im Alltag. Doch ist Radio auch zukunftsfähig?
Ein Interview mit Berhard Bahners, Geschäftsführer der radio.de GmbH über die Zukunftschancen eines unterschätzten Mediums.

CBD.Coporate: Herr Bahners, wird das Medium Radio unterschätzt?

Bernhard Bahners: Wenn man den deutschen Markt betrachtet, dann sieht man anhand der aktuellen ma 2015 Radio II, dass sich das Radio noch immer einer sehr großen Beliebtheit in der Gesamtbevölkerung erfreut. 77,4 % der Deutschen hören täglich Radio.
Mit den Musik-Streaming-Services wie Spotify und Apple Music hat das Radio in den vergangenen Jahren einen großen Konkurrenten bekommen. Interessanterweise setzen aber auch diese On-Demand Dienste auf Radiofeatures, die die Nutzer zum Hören animieren und für langfristige Bindung sorgen sollen.

Während Spotify kuratierte und personalisierte Playlisten anbietet, die sich so einfach wie ein Radio bedienen lassen – man muss sie nur einschalten – hat Apple mit Beats One direkt einen eigenen Radiosender mit prominenten Moderatoren ins Leben gerufen, der im Kern des Dienstes steht und der vielleicht wichtigste Werbekanal für den Service geworden ist.
Unterschätzt wird das Medium also keinesfalls, auch wenn die öffentliche Betrachtung in Deutschland vielleicht etwas zurückhaltender ist, als in den USA und vielen anderen Ländern in Europa – wie zum Beispiel den UK, Frankreich oder Italien.

CBD.Coporate: Wie kann sich das Radio besser verkaufen?

Bernhard Bahners: Einfacher Zugang zu Musik ist kein Alleinstellungsmerkmal des Radios mehr. Jetzt müssen die Radiosender gerade dem jüngeren Publikum beweisen, dass die anderen beiden Programmsäulen Unterhaltung und Information unverzichtbar sind, oder ein klar erkennbares Musikprofil etablieren, das mindestens deutschlandweit erfolgreich ist, so wie es heute schon viele Webradios auf unserer Plattform tun.
Gerade in der Welt der Smartphones, in der Apps der wichtigste Zugangsweg für die Nutzer sind, ist es entscheidend, auf allen relevanten Plattformen präsent zu sein. Während die Smartphone-Nutzung stetig weiter ansteigt, wird es immer schwieriger, neue Apps zu etablieren. Hier spielen erfolgreiche Aggregatoren wie radio.net eine wichtige Rolle.

radio.net

CBD.Coporate: Welche Kommunikationsstrategien wirken?

Bernhard Bahners: Die echte Nähe zu den Hörern ist schon lange eine erfolgreiche Strategie, die sich die Radiosender zunutze machen. Darüber hinaus kann man gerade auf dem internationalen Markt beobachten, wie Radiosender immer wieder besondere Erlebnisse schaffen.
Ungewöhnliche Studiosessions großer Bands, die anschließend in die sozialen Medien sickern und so für Aufmerksamkeit sorgen oder auch Songpremieren, die von der BBC und von Apple bereits sehr erfolgreich eingesetzt werden. Natürlich bleibt auch hier das Echo in den sozialen Medien nicht aus.

CBD.Coporate: Wie funktioniert das Geschäftsmodell von radio.net?

Bernhard Bahners: radio.net bündelt für den Nutzer über 30.000 Radiosender, Webradios und Podcast und macht diese Programme auf einer Plattform als mobile App und im Web zugänglich. Der Service verschafft nicht nur einfachen Zugriff, sondern bietet auch Orientierung und Inspirationen, sowohl durch Empfehlungsalgorithmen, wie man sie beispielsweise von Amazon kennt, als auch mit redaktionellen Empfehlungen. Der Dienst ist mittlerweile in zehn europäischen Ländern mit einem jeweils nationalen Auftritt verfügbar und darüber hinaus auch als App in 14 Sprachen in den Appstores vertreten. Wir vermarkten diese Plattform mit all den Werbeformen, wie man sie aus der klassischen Online- und Mobile-Vermarktung kennt. Die Reichweite, die wir für die Sender erzielen, wird wiederum von den einzelnen Sendern selbst vermarktet.

CBD.Coporate: Ihre Top 5-Sender weltweit?

Bernhard Bahners: Ohne geordnete Reihenfolge:

CBC Radio 3 aus Kanada

BBC Radio 1 aus den UK

Radio Eins aus Berlin

Dinamo aus Istanbul

Bossa Nova Hits aus Rio de Janeiro

Bernhard Bahners ist Geschäftsführer der radio.de GmbH und stellvertretender Vorsitzender der Fokusgruppe Audio im BVDW. Neben seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre engagierte er sich in diversen Unternehmen, u.a. ECC KohtesKlewes (heute PLEON) und Beiersdorf AG/tesa AG. Ende 2006 wechselte er von der Werbeagentur Scholz & Friends ins damalige Madsack MediaLab, um das Projekt radio.de zu entwickeln.
Außerdem ist er Preisträger verschiedener Business-Plan-Wettwerbe, u.a. “Tchibo Think Tank” und “the contest” von A.T.Kearney/Wirtschaftswoche.

kommunikation

Anforderungen an Bewegtbild steigen

Mit den neuen Video-Stream-Services wie “Live“ von Facebook legt das Thema Content in 2016 noch an Relevanz zu. Jedoch verändert sich der Fokus.
Mit der steigenden Reizüberflutung der Verbraucher, wachsen auch die Anforderungen an Qualität und Konsistenz der Beiträge. Besonders im Bereich der Bewegtbildkommunikation steigt mit den Möglichkeiten auch die Verantwortung der Qualitätssicherung.

Quelle: Haufe Online Redaktion

Bewegtbild

>> Nächster Artikel: „Wer liest das eigentlich alles?“ – Corporate Publishing und Content Marketing auf dem Prüfstand – Branchenwettbewerb rückt Erfolgsmessung in den Vordergrund.

Gibt es ein Thema, das Sie besonders interessiert? Gerne erhalten Sie mehr Detailinformationen im Rahmen eines persönlichen Gesprächs. Ich freue mich über Ihre Kontaktaufnahme.